Präanalytik

Unter Präanalytik versteht man alle administrativen und praktischen Prozesse der Gewinnung und Aufarbeitung, der Lagerung und des Transports eines labormedizinischen Untersuchungsmaterials vor der Durchführung der eigentlichen Laboruntersuchung.

Die Präanalytik ist das erste Glied in der Kette der Labordiagnostik – Fehler in diesem Bereich können nicht rückgängig gemacht werden.

 

Einflussfaktoren

Einflussfaktoren können die Probe derart beeinflussen, dass das gemessene Ergebnis zwar richtig ist, aber eine medizinische Interpretation nicht sinnvoll und wahrscheinlich falsch ist. Dies ist natürlich auch von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung, da dadurch häufig weitere diagnostische oder therapeutische Maßnahmen ausgelöst werden, die nicht notwendig sind. Es ist deshalb von außerordentlicher Bedeutung, dass auch in der Präanalytik die Methoden verbessert werden sowie eine Standardisierung und eine kontinuierliche Qualitätskontrolle
die Regel wird. Probleme aus dem Bereich der Präanalytik können in der Regel nur in enger Kooperation von Arzt, Praxispersonal und Labor gelöst werden.

a) ethnische Herkunft, Geschlecht und Alter

Diese werden bei Geschlecht und Alter durch unterschiedliche Normwertgrenzen berücksichtigt. Bei den Patientendaten wird allerdings nur selten die ethnische Herkunft angegeben, so dass dieser Punkt in den Laborberichten unberücksichtigt bleibt. Normwerte
beziehen sich häufig nur auf die kaukasische Bevölkerung. (Signifikante Unterschiede findet man z.B. bei dunkelhäutigen Menschen im Gegensatz zu hellhäutigen Menschen: Die Leukozytenwerte sind markant tiefer – die Vitamin B12- Konzentration ist 1,35-fach höher – die Kreatinkinase, γ-Globuline und γ-GT sind erhöht.)

b) Circadiane Rhytmik

Der Organismus muss sich im Laufe des Tages densich verändernden Umweltbedingungen sowie seinendurch den individuellen Tagesablauf ergebendenSchwankungen (durch Ernährung, Arbeit, etc.) anpassen. Hierbei können beträchtliche Konzentrationsunterschiede
bei sehr vielen klinisch chemischen Messgrößen beobachtet werden. Die Ausscheidung
der Hormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin ist stark tageszeitabhängig mit einem Vormittagsmaximum und einem Minimum abends oder nachts. Diese großen Differenzen sind die Ursache, dass in der Regel die Blutentnahme morgens zwischen 7 und 9 Uhr am nüchternen Patienten vorgenommen wird. Dementsprechend sind auch die Referenzwerte
erhoben worden.

c) Ernährung

Grundregel: Der ideale Zeitpunkt zur Probengewinnungist 12 Stunden nach der letzten (abendlichen)Nahrungsaufnahme. Ein Großteil der ernährungsbedingtenStörgrößen und Interferenzen wird dadurch vermieden. Der Einfluss der Ernährung auf laboratoriumsmedizinische Ergebnisse ist sehr vielfältig, so dass wir uns im Folgenden auf das Bedeutsamste bzw. Häufigste konzentrieren.

  • Kurzfristiger Einfluss: Besonders für die Glucose - und Triglyceridbestimmung ist das Einhalten einer 12-stündigen Nahrungskarenz erforderlich. Die Cholesterinwerte lassen sich von kurzfristigen Nahrungseinflüssen hingegen kaum beeinflussen.
  • Eine fettreiche Ernährung hat vor allem Einfluss auf: Triglyceride, freie Fettsäuren, LDH, alkalische Phosphatase sowie auf Cholesterin und Lipoproteine.
  • Eine kohlenhydratreiche Ernährung führt zu erhöhten Triglyceridspiegeln und verminderten Phosphatkonzentrationen.
  • Eine vegetarische Lebensweise hat vor allem Einfluss auf den Stoffwechsel der freien Fettsäuren, der Aminosäuren, von Vitamin B12 und Ferritin. Wesentlich ist das Risiko einer Mangelernährung.
  • Längerfristige Fasten-Perioden (mehrere Wochen): Verminderung des Cholesterins, der Triglyceride, von Proteinen, sowie von Harnstoff. Harnsäure und Kreatinin steigen hingegen an.
  • Proteinarme Ernährung führt zu verminderten Werten von Albumin und Harnstoff. Das Somatotropin (STH) steigt an.
  • Eine eiweißreiche Lebensweise führt dagegen zum Anstieg von Albumin, AST, (GOT), ALT (GPT), Ammoniak, Harnstoff und Harnsäure.


d) Alkohol

Akuter bzw. chronischer Alkoholkonsum hat diverse Auswirkungen auf die Laborwerte. Eine individuelle Interpretation ist in jedem Fall anzuraten.
akut:

  • Blutzucker sinkt infolge reduzierter Gluconeogenese der Leber.
  • Anstieg der Harnsäure (durch Alkoholabbau).
  • Anstieg der Triglyceride (Hemmung des Abbaus durch Alkohol).
  • Neigung zur metabolischen Azidose durch vermehrte Acetat- und Laktatbildung.

chronisch:

  • MCV-Anstieg (Folsäuremangel)
  • Folsäure, Vitamin B6 sind vermindert
  • Enzyminduktion ALT (GPT), AST (GOT), γ-GT, GLDH, CDT
  • Homocystein, IgA, Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin können ansteigen, LDL-Cholesterin kann abfallen

Das CDT (Carbohydrate-Deficient Transferrin) erhöht sich bei einem täglichen Konsum von etwa 50 – 80 g (Männer) reinen Alkohols täglich. Nach einer Abstinenz von einigen Wochen erfolgt eine Normalisierung (Halbwertszeit von CDT: 14 Tage). Nach kürzlichem Alkoholkonsum lässt sich auch der Alkoholmetabolit Ethylglukuronid für einige Tage im Urin und anfangs auch im Serum erhöht nachweisen.

e) Koffein

Der Genuss koffeinhaltiger Getränke wie Kaffee, grünem und schwarzem Tee sowie Energy Drinks etc. führt vor allem zu:

  • Erhöhung der Glukose durch gesteigerte Glukoneogenese.
  • Vermehrte Freisetzung von Renin, Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol.

Bereits das Trinken von 2 Tassen Kaffee (durchschnittlich 100 mg Koffein pro Tasse) kann o. g.
Werte signifikant beeinflussen. Interindividuell erfolgt der Anstieg bzw. Abfall unterschiedlich stark.

f) Nikotin

Das Rauchen von Zigaretten kann Laboranalysen signifikant beeinflussen. Dabei wird zwischen Veränderungen nach akutem sowie chronischem Nikotinkonsum unterschieden.
akut:
Innerhalb einer Stunde nach Konsum von 1 – 5 Zigaretten kommt es zu einem signifikantem Anstieg von:

  • Adrenalin
  • Aldosteron
  • CO-Hämoglobin
  • Cortisol (+ 40 % nach 10 Minuten)
  • freien Fettsäuren
  • Glukose

chronisch:
Ein regelmäßiger Konsum von 20 – 40 Zigaretten pro Tag führt bei einer Vielzahl von Analyten zu Veränderungen.

g) Medikamente

Die Einnahme von Medikamenten beeinflusst die Analyse von Laborparametern sowohl in vitro als auch in vivo. Die seltenen In-vitro-Interferenzen sind direkte Störungen des analytischen Testverfahrens durch das Arzneimittel. Die Gabe von Prednisolon führt zu erhöhten Messergebnissen bei der Cortisolbestimmung. Weitere Interferenzen treten bei der
Applikation von Analgetika, Antiarrhythmika, Antibiotika, Antiepileptika, Hormonen und Zytostatika auf.

Die In-vivo-Interferenzen werden auch als physiologische Arzneimitteleffekte bezeichnet. Beispiele hierfür sind die Induktion von Leberenzymen durch die Gabe von Phenytoin oder erhöhte Katecholaminspiegel unter Therapie mit Phenothiazinen. Sind Laborparameter unplausibel erhöht, sollte die aktuelle Medikation entsprechend überprüft werden.
Unter Umständen ist es ratsam, die Analyse nach Absetzen des Präparates zu wiederholen, falls keine vitale Indikation für die Medikation vorliegt.

h) Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft kommt es zu physiologischen Anpassungen, die einen nachhaltigen Einfluss auf die Labordiagnostik haben.
Im Wesentlichen sind folgende schwangerschaftsbedingte Veränderungen als Einflussgrößen von Bedeutung.

  • Stimulation des Renin-Angiotensin- Aldosteron-Systems (RAAS).
  • Zunahme des Blutvolumens (Hämodilution) von 5. – 33. SSW um bis zu 1,6 l.
  • Zur Mitte der Schwangerschaft steigt der renale Blutfluss um 60 – 80 %.
  • Anstieg der glomerulären Filtrationsrate (GFR) um bis zu 50 %.
  • Kreatinin und Harnstoff im Serum nehmen im Verlauf der Schwangerschaft um bis zu 30 % ab.
  • Eine reduzierte Nierenschwelle kann zu einer leichten Glucosurie führen.
  • Abnahme des Hämoglobins sowie des Hämatokrits.
  • Ausbildung einer physiologischen Schwangerschaftsanämie.
  • Bis zum Ende der Schwangerschaft können die Leukozyten physiologisch auf Werte bis zu 13 G/l ansteigen.
  • Die Proteinausscheidung im Urin kann zum 3. Trimenon auf bis zu 300 mg/24 Stunden ansteigen.
  • Gerinnung: Während der Schwangerschaft besteht eine Neigung zur Hyperkoagulabilität
  • (zur Vorbeugung von Blutungen unter der Geburt).
  • Alkalische Phosphatase: ab der 20. SSW Anstieg um das 2 – 4 fache bis zum Ende derSchwangerschaft (Bildung durch Plazenta).


Cave: Transaminasen und γ-GT sind in der Schwangerschaft physiologisch unverändert. Jeder Anstieg bedarf der Abklärung.

PCR-Statistik

 Aktuelle Nachweise von resp. Infektionserregern mittels PCR

 

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